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<title>Ubume</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ubume</span></h1>
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<p>Die <b>Ubume</b> (産女; „Gebärende Frau“, „Entbindungsfrau“ oder „Mutterschaftsfrau“) ist ein Wesen der <a href="Japan" title="Japan">japanischen</a> <a href="Folklore" title="Folklore">Folklore</a> aus der Gruppe der <a href="Y%C5%8Dkai" title="Yōkai">Yōkai</a> und der <a href="Y%C5%ABrei" title="Yūrei">Yūrei</a>. Es soll sich um den unglücklichen Geist einer Frau handeln, die während der <a href="Schwangerschaft" title="Schwangerschaft">Schwangerschaft</a> oder Geburt ihres Kindes starb. Ihr wird ein <a href="Ambivalenz" title="Ambivalenz">ambivalenter</a> Charakter nachgesagt und in manchen ländlichen Gegenden ist sie als Kinder raubende <a href="Hexe" title="Hexe">Hexe</a> gefürchtet.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Beschreibung">Beschreibung</h2></div>
<p>Die Ubume wird als hochgewachsene, zierliche und stets kränklich wirkende Frau mit freiem Oberkörper dargestellt, die in der Nähe von <a href="Friedhof" title="Friedhof">Friedhöfen</a> und Flüssen umherwandeln soll. In älteren Überlieferungen sollen Begegnungen mit ihr eher zufällig gewesen sein, in moderneren Sagen erscheint sie vorgeblich schwangeren Frauen, um sie vor einer <a href="Fehlgeburt" title="Fehlgeburt">Fehl-</a> oder gar <a href="Totgeburt" title="Totgeburt">Totgeburt</a> zu warnen. In abweichenden Legenden erscheint sie als wirr und wild dreinblickende Frau, die <a href="S%C3%A4ugling" title="Säugling">Säuglinge</a> und Kleinkinder entführt, wenn sie unbeaufsichtigt bleiben. Es heißt, die Ubume sei auf der Suche nach Ersatz für ihre eigenen, tot geborenen Kinder. Frauen, die während einer Schwangerschaft oder Geburt starben, wird nachgesagt, dass sie selbst zu einer Ubume werden könnten, auf ewig dazu verdammt, ihre versäumte Mutterschaft zu bedauern.<sup id="cite_ref-HYM_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-HYM-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-MSJ_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-MSJ-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursprung_und_Legenden">Ursprung und Legenden</h2></div>
<p>Legenden und <a href="Anekdote" title="Anekdote">Anekdoten</a> um die Figur der Ubume sind seit langer Zeit überliefert. Sie erscheinen bereits in frühen Werken wie dem <i>Konjaku Monogatari-shū</i> (今昔物語集; <i>Geschichtensammlung von Einst und Jetzt</i>) von <a href="Toba_S%C5%8Dj%C5%8D" class="mw-redirect" title="Toba Sōjō">Toba Sōjō</a> aus dem Jahr 1126, wo die Ubume noch als verhältnismäßig harmloses Geistwesen beschrieben wird. Eine frühe Überlieferung erzählt von herzlosen <a href="Samurai" title="Samurai">Samurai</a>, die der Ubume begegnen und ihr das Baby wegnehmen wollen. Daraufhin verwandelt sich das vermeintliche „Baby“ in ein Knäuel aus verdorrendem Laub und die Ubume verschwindet vor den Augen der Samurai (allerdings nicht ohne die Männer vorher zu verfluchen). Diese Legende findet sich, nur leicht abgewandelt, in späteren Schriften wie dem <i>Wakan Sansai Zue</i> (和漢三才図会; „Chinesisch-japanisches Nachschlagewerk“) von Terajima Ryōan aus dem Jahr 1712 wieder. Eine weitere Legende rät bis heute, der Ubume den Gefallen zu tun, ihr Baby zu halten und ein kurzes Gebet zu sprechen. Die Ubume werde dem guten Menschen danken und ihn und seine Nachkommen segnen. Die Ubume erscheint auch in dem Werk <i>Hyakkai Zukan</i> (百怪図巻; <i>Bilderkatalog der Monster</i>) von Sawaki Suushi aus dem Jahr 1737 und in <a href="Toriyama_Sekien" title="Toriyama Sekien">Toriyama Sekiens</a> berühmtem Werk <i>Gazu Hyakki Yagyō</i> (画図百鬼夜行; <i>Bilderbuch der Nachtparade der 100 Dämonen</i>) aus dem Jahr 1776. Sekiens Abbildung scheint von der Legende aus dem <i>Konjaku Monogatari-shū</i> inspiriert worden zu sein.<sup id="cite_ref-HYM_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-HYM-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-MDF_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-MDF-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seit der ausgehenden <a href="Meiji-Zeit" title="Meiji-Zeit">Meiji-Zeit</a> werden <a href="Menstruation" title="Menstruation">menstruierende</a> Mädchen und gerade Mutter gewordene Frauen eindringlich gewarnt, ihre blutige Unterwäsche offen herumliegen zu lassen, schon gar nicht im Freien – nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern weil dies neidische und verzweifelte Dämonenmütter wie die Ubume anlocken könnte. Die Gestalt der Ubume hat auch Eingang in <a href="Tradition" title="Tradition">traditionelle</a> <a href="Kabuki" title="Kabuki">Kabuki</a>-Theater und <a href="Manga" title="Manga">Mangas</a> gefunden.<sup id="cite_ref-MDF_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-MDF-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hintergrund">Hintergrund</h2></div>
<p><a href="Folkloristik" title="Folkloristik">Folkloristen</a> wie Noburo Miyata und Michael Dylan Foster vermuten hinter der Figur der Ubume zwei gesellschaftlich-psychologische Hintergründe und Motive: Zum einen repräsentiere sie die „Übermutter“, die ihr eigenes Leben opfert, damit ihr Kind weiterleben kann. Zum anderen stehe sie, besonders in ihrer Yōkai-Form, für die Furcht vor Kindesverlust und unüberwindbarer Trauer um den bereits erfolgten Verlust des eigenen Kindes. Dies spiegele sich in dem ihr nachgesagten Verhalten wider, anderer Mütter Kinder zu rauben, nur um ihre eigene Leere zu füllen.<sup id="cite_ref-MDF_3-2" class="reference"><a href="#cite_note-MDF-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Besonders in früheren Jahrhunderten, bevor es moderne Krankenhäuser und fortschrittliche Medikamente gab, waren Totgeburten und <a href="Pl%C3%B6tzlicher_Kindstod" title="Plötzlicher Kindstod">plötzliche Kindstode</a> nicht selten. Deshalb wurden verschiedenste <a href="Gottheit" class="mw-redirect" title="Gottheit">Gottheiten</a> angerufen und schwangeren Frauen <a href="Talisman" title="Talisman">Talismane</a> aller Art überreicht, um eine sichere Geburt und glückliche Mutterschaft zu gewährleisten. Wenn eine Frau während der Schwangerschaft oder Geburt starb, wurde der <a href="F%C3%B6tus" title="Fötus">Fötus</a> rituell entfernt, der Mutter in den Schoß gelegt oder eine magische, gesegnete Puppe mit ins Grab gegeben. Dieser <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">buddhistische</a> Brauch wurde aus einer <a href="China" title="China">chinesischen</a> <a href="Tradition" title="Tradition">Tradition</a> übernommen.<sup id="cite_ref-GHP_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-GHP-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-MSJ_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-MSJ-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der chinesischen Folklore existiert ein Wesen namens <i>Taufūn-yaó</i>, das im Japanischen <i>Ubumetori</i> (産女鳥; „<a href="Schw%C3%A4gerschaft" title="Schwägerschaft">Schwiegermutter</a>-Vogel“) heißt und als unschuldig aussehender Vogel, meist als <a href="M%C3%B6wen" title="Möwen">Möwe</a>, beschrieben wird. Der chinesischen Überlieferung nach sei dieser Vogel der Geist einer von Verzweiflung und <a href="Neid" title="Neid">Neid</a> zerfressenen Frau, die während der Geburt ihres Kindes gestorben sei. Nun suche sie nach ihrem Kind und tagsüber tarne sie sich als unscheinbarer Vogel. Während der Nacht werfe sie ihre Federn ab und verwandele sich in eine Kinder raubende Hexe: Solange sie ihr eigenes Kind nicht finden könne, suche sie sich anderer Mütter Kinder als Ersatz. Die Figur des Schwiegermutter-Vogels wurde, gemeinsam und zeitgleich mit der Figur der Ubume selbst, bereits in früheren Jahrhunderten in die japanische Folklore übernommen. Der Vogeldämon ist bis heute in verschiedenen japanischen Präfekturen bekannt und gefürchtet, so zum Beispiel in der <a href="Pr%C3%A4fektur_Shiga" title="Präfektur Shiga">Präfektur Shiga</a> und in der <a href="Pr%C3%A4fektur_Niigata" title="Präfektur Niigata">Präfektur Niigata</a>, wo das Vogelwesen <i>Ubu</i> heißt.<sup id="cite_ref-GHP_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-GHP-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-MSJ_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-MSJ-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><b><a href="La_Llorona_(Folklore)" title="La Llorona (Folklore)">La Llorona</a>:</b> der unglückliche Geist einer verstörten Mutter, die nach ihren (ebenfalls verstorbenen) Kindern sucht und fremden Müttern ihre Kinder wegnimmt</li>
<li><b><a href="Yamauba" title="Yamauba">Yamauba</a>:</b> weiblicher Yōkai oder Oni in Gestalt einer <a href="Hexe" title="Hexe">Hexe</a>, die in den Bergen haust, Kinder entführt und sie als ihre eigenen aufzieht oder verspeist</li>
<li><b><a href="Kuchisake-onna" title="Kuchisake-onna">Kuchisake-onna</a>:</b> weiblicher Yōkai in Gestalt einer maskierten Frau, die nachts Kindern auflauern und sie wahlweise verstümmeln oder entführen soll</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Hiroko Yoda, Matt Alt: <i>Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien.</i> Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 978-0-486-80035-6.</li>
<li>Michael Dylan Foster: <i>The Book of Yokai: Mysterious Creatures of Japanese Folklore</i>. California Press, Berkeley 2015, ISBN 978-0-520-27101-2.</li>
<li>Geir Henning Presterudstuen, Yasmine Musharbash: <i>Monster Anthropology: Ethnographic Explorations of Transforming Social Worlds Through Monsters</i>. Taylor &amp; Francis, New York City 2020, ISBN 978-1-00-018235-4.</li>
<li>Monoshiri Shirīzu: 諸国怪談奇談集成 江戸諸国百物語 東日本編. Jinbun-sha, Tokio 2005, ISBN 978-4-7959-1955-6.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ubume?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Ubume</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-HYM-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-HYM_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-HYM_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Hiroko Yoda, Matt Alt: <i>Japandemonium Illustrated …</i> New York/Mineola 2017, S. 37.</span>
</li>
<li id="cite_note-MSJ-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-MSJ_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-MSJ_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-MSJ_2-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Monoshiri Shirīzu: 諸国怪談奇談集成 江戸諸国百物語 東日本編, Tokio 2005, S. 19–21.</span>
</li>
<li id="cite_note-MDF-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-MDF_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-MDF_3-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-MDF_3-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Michael Dylan Foster: <i>The Book of Yokai …</i>, Berkeley 2015, S. 206 u. 207.</span>
</li>
<li id="cite_note-GHP-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-GHP_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-GHP_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Geir Henning Presterudstuen, Yasmine Musharbash: <i>Monster Anthropology …</i>, New York City 2020, S. 177–178.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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